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Das Thema verstehen

Die athenische Demokratie war die direkte Herrschaft der (männlichen) Bürger in der Polis Athen, entwickelt seit den Reformen Solons und Kleisthenes und gefestigt im 5. Jahrhundert v. Chr. Kern war die Volksversammlung, ergänzt durch Geschworenengerichte, Rat der Fünfhundert und besoldete Ämter. Das System beruhte auf Losverfahren, Redefreiheit der Bürger und bürgerschaftlicher Pflicht, schloss aber Frauen, Sklaven und Metöken vom politischen Handeln aus.

Direkte Demokratie statt Repräsentation
Anders als moderne Demokratien kannte Athen keine Parlamente und Abgeordneten. Die Bürger entschieden selbst in der Ekklesia über Gesetze, Kriege und Bündnisse. Wichtig war das Losverfahren: Weil Wahlen als aristokratisch galten, wurden die meisten Ämter ausgelost, damit alle Bürger gleiche Chancen hatten. Ausnahmen bildeten etwa die Strategen, die gewählt wurden, weil ihre Aufgaben Fachwissen und Vertrauen erforderten. Diäten für Ämter und Gerichtsdienste, die Perikles durchsetzte, sollten auch ärmere Bürger die Teilnahme ermöglichen. Diese direkte Beteiligung funktionierte nur in einer Polis überschaubarer Größe und setzte voraus, dass Bürger Zeit und Wege für Versammlungen aufbringen konnten.

Reformen von Solon und Kleisthenes
Solon (Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr.) gilt als Vorläufer: Er beseitigte die Schuldknechtschaft, gliederte die Bürgerschaft nach Vermögensklassen und öffnete die Volksversammlung stärker. Kleisthenes (um 508/507 v. Chr.) reorganisierte die Bürgerschaft in zehn Phylen aus je mehreren Demen und schuf damit die Grundlage für den Rat der Fünfhundert. Seine Reform schwächte alte Adelsverbände und gilt als eigentlicher Beginn der athenischen Demokratie. Im 5. Jahrhundert erweiterten Ephialtes und Perikles die Rechte der Volksversammlung und der Gerichte und beschnitten damit die Macht des Areopags, des alten Adelsrats.

Beteiligte und Ausgeschlossene
Die athenische Demokratie war eine Bürgerdemokratie mit klaren Grenzen. Voll berechtigt waren männliche Erwachsene, deren beide Eltern Athener Bürger waren; nach einem Gesetz von 451/450 v. Chr. galt diese doppelte Abstammung als Voraussetzung. Frauen besaßen kein politisches Stimmrecht, ebenso wenig Sklaven, die einen großen Teil der Bevölkerung und der Arbeitskraft stellten. Metöken, also ansässige Fremde, konnten wirtschaftlich tätig sein, blieben aber politisch ausgeschlossen. Die Zahl der aktiv Beteiligten war zudem begrenzt, weil die Versammlung in Athen stattfand und Bürger aus Attika weite Wege hatten. Die Demokratie beruhte damit auf einer Minderheit der Einwohner.

Krise, Kritik und Ende
Die Demokratie überstand Rückschläge wie die Niederlage im Peloponnesischen Krieg und die kurzlebige Oligarchie der Dreißig Tyrannen (404/403 v. Chr.), wurde danach wiederhergestellt. Zeitgenössische Kritiker wie Platon und Aristoteles sahen Gefahren in der Herrschaft der Menge und in der Anfälligkeit für demagogische Redner. Im 4. Jahrhundert blieb das System funktionsfähig, doch unter makedonischem Einfluss im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. verloren Volksversammlung und Gerichte schrittweise an Bedeutung. Die athenische Demokratie blieb dennoch das wichtigste Vorbild für spätere Debatten über Bürgerbeteiligung und Selbstverwaltung.

Fragen zur Wiederholung

Wer durfte an der athenischen Demokratie teilnehmen?

Voll berechtigt waren männliche erwachsene Bürger, deren beide Eltern Athener waren. Frauen, Sklaven und Metöken (ansässige Fremde) waren vom politischen Handeln ausgeschlossen, obwohl sie einen Großteil der Bevölkerung ausmachten.

Warum wurden die meisten Ämter per Los vergeben?

Das Losverfahren galt als demokratischer als Wahlen, weil es allen Bürgern gleiche Chancen gab und Begünstigung durch Ansehen oder Beziehungen ausschloss. Nur Fachämter wie die Strategen wurden gewählt und waren wiederwählbar.

Was war der Zweck des Ostrakismos?

Beim Ostrakismos stimmten die Bürger jährlich darüber ab, ob eine einflussreiche Person für zehn Jahre verbannt werden sollte. Das Verfahren sollte verhindern, dass einzelne Politiker zu viel Macht anhäuften und die Demokratie bedrohten.