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Das Thema verstehen

Ozeanströmungen sind großräumige, anhaltende Bewegungen des Meerwassers, die durch Wind, Temperatur- und Salzgehaltsunterschiede sowie die Erdrotation geprägt werden. Sie transportieren Wärme von den Tropen Richtung Polargebieten und zurück, beeinflussen damit Klimazonen, Küstenwetter und marine Ökosysteme. Die Lernkarte gliedert Ursachen, Oberflächen- und Tiefenströmungen, bedeutende Beispiele wie den Golfstrom sowie Folgen für Klima, Schifffahrt und Fischerei.

Antrieb und Ablenkung
Oberflächenströmungen werden vor allem durch die großräumigen Windsysteme angetrieben, insbesondere durch Passate und Westwinde. Da sich die Erde dreht, werden die Wasserbewegungen abgelenkt: Auf der Nordhalbkugel nach rechts, auf der Südhalbkugel nach links. Diese Corioliskraft erklärt, warum Strömungen nicht geradlinig verlaufen, sondern wirbelartige Kreissysteme, die Gyren, bilden. Auch die Form der Kontinente und die Verteilung der Landmassen lenken die Wasserbewegung. Tiefenströmungen entstehen dagegen nicht durch Wind, sondern durch Unterschiede in der Dichte des Wassers, die von Temperatur und Salzgehalt abhängen.

Thermohaline Zirkulation
Die thermohaline Zirkulation wird auch als globales Förderband bezeichnet. In den Polarregionen des Nordatlantiks kühlt das Oberflächenwasser ab, wird durch den hohen Salzgehalt dichter und sinkt in die Tiefe. Von dort bewegt es sich langsam entlang des Meeresbodens über die Weltmeere, steigt an anderen Stellen wieder auf und schließt den Kreislauf. Ein vollständiger Umlauf dauert schätzungsweise Jahrhunderte. Dieses System transportiert enorme Wärmemengen und koppelt Oberflächen- und Tiefenströmungen miteinander. Änderungen des Salzgehalts, etwa durch schmelzendes Eis, könnten die Zirkulation beeinflussen, was in der Klimaforschung untersucht wird.

Golfstrom und europäisches Klima
Der Golfstrom transportiert warmes Wasser aus der Karibik entlang der Ostküste Nordamerikas nach Nordosten. Seine Fortsetzung, die Nordatlantikdrift, bringt Wärme bis nach Nordeuropa. Dadurch fallen die Winter in West- und Mitteleuropa deutlich milder aus als in vergleichbaren Breiten Nordamerikas, wo etwa Kanada stark frostige Temperaturen erlebt. Der Golfstrom ist also ein klassisches Beispiel dafür, wie Meeresströmungen Klimazonen verschieben können. Wichtig ist die Unterscheidung: Der Name Golfstrom bezeichnet die warme Strömung im Atlantik, während die Nordatlantikdrift den nördlichen Abschnitt beschreibt, der Europa direkt beeinflusst.

Auftrieb und El Niño
Kaltströmungen an den Westküsten der Kontinente verursachen Auftrieb: Wind treibt Oberflächenwasser von der Küste weg, und kaltes, nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe strömt nach. Vor Peru und Chile entsteht so der Humboldtstrom, der Grundlage für einen der ertragreichsten Fischgründe der Welt ist. In unregelmäßigen Abständen schwächt sich dieser Auftrieb ab, wenn das Phänomen El Niño warmes Wasser im Pazifik umlagert. Dann bleiben die Fischbestände aus, und Wetterextreme wie Dürren oder Starkregen treten in entfernten Regionen auf. El Niño zeigt, wie empfindlich das Zusammenspiel von Atmosphäre und Ozean ist.

Fragen zur Wiederholung

Warum fließen Ozeanströmungen nicht geradlinig?

Durch die Erdrotation werden alle bewegten Massen abgelenkt, auf der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhalbkugel nach links. Diese Corioliskraft bewirkt zusammen mit den Kontinenträndern, dass Strömungen große kreisförmige Wirbel, die Gyren, ausbilden.

Welchen Unterschied gibt es zwischen Oberflächen- und Tiefenströmungen?

Oberflächenströmungen werden hauptsächlich durch Wind angetrieben und reichen nur wenige hundert Meter tief. Tiefenströmungen entstehen durch Dichteunterschiede, die von Temperatur und Salzgehalt abhängen, und bilden die langsame, globale thermohaline Zirkulation.

Warum ist der Fischreichtum vor Peru so hoch?

Der kalte Humboldtstrom verursacht Auftrieb: Wind treibt Oberflächenwasser von der Küste weg, und nährstoffreiches Tiefwasser steigt auf. Die Nährstoffe fördern Algenwachstum, das die Nahrungskette für große Fischbestände speist. Bei El Niño schwächt sich dieser Auftrieb ab.