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Das Thema verstehen

Die Russische Revolution umfasst die Umwälzungen des Jahres 1917 in Russland, die mit der Februarrevolution zur Abdankung des Zaren und zur Provisorischen Regierung führten. In der Oktoberrevolution übernahmen die Bolschewiki unter Lenin die Macht. Die Revolution beendete das Zarenreich, führte zum Bürgerkrieg und begründete den ersten sozialistischen Staat, der sich später zur Sowjetunion entwickelte. Sie prägte die Politik des 20. Jahrhunderts weltweit.

Vom Zarenreich zur Doppelherrschaft
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Russland eine autokratische Monarchie, in der der Zar die Macht weitgehend ohne parlamentarische Kontrolle ausübte. Die Industrialisierung schuf ein wachsendes Proletariat in den Städten, während die Mehrheit der Bevölkerung als Bauern unter Landknappheit litt. Der verlorene Krieg gegen Japan 1904/05 und der Blutsonntag von 1905 lösten die erste Revolution aus, die zwar das Dumasystem brachte, aber keine echte konstitutionelle Ordnung etablierte. Im Ersten Weltkrieg verschärften Verluste, Versorgungsengpässe und Korruption die Krise, bis im Februar 1917 die Meuterei der Petrograder Garnison die Abdankung Nikolaus II. erzwang.

Warum die Provisorische Regierung scheiterte
Nach der Februarrevolution entstand eine Doppelherrschaft: Die Provisorische Regierung, zunächst unter Fürst Lwow, später unter Kerenski, teilte sich die Macht mit den Sowjets. Ihr entscheidendes Problem war die Fortsetzung des Krieges gegen die Mittelmächte, die bei Soldaten und Zivilbevölkerung auf Ablehnung stieß. Auch verschob sie die Landreform auf eine künftige verfassunggebende Versammlung, sodass Bauern begannen, Güter eigenmächtig zu besetzen. Die Bolschewiki nutzten diese Unzufriedenheit mit Parolen wie Frieden, Land und Brot. Der gescheiterte Putschversuch des Generals Kornilow im August 1917 stärkte sie zusätzlich, weil die Regierung auf die Rote Garde angewiesen war.

Die Oktoberrevolution und der Bürgerkrieg
Im Oktober 1917, nach dem julianischen Kalender, stürmten bewaffnete Arbeiter, Soldaten und Matrosen unter Führung des Militärischen Revolutionskomitees den Winterpalast und übernahmen die Macht in Petrograd. Die neue Regierung unter Lenin erließ Dekrete über den Frieden und die Bodenverteilung. Im Frieden von Brest-Litowsk 1918 schied Russland aus dem Weltkrieg aus und verlor große Gebiete. Danach entbrannte der Bürgerkrieg zwischen der Roten Armee unter Trotzki und verschiedenen Weißen Armeen, unterstützt von ausländischen Interventionsmächten. Der Kriegskommunismus mit Zwangsrequirierungen und der Terror der Tscheka verschärften Hunger und Gewalt, bis die Rote Armee 1920/21 siegte.

Langfristige Folgen und historische Einordnung
Die Revolution beendete die Herrschaft der Romanows und begründete den ersten Staat, der sich auf marxistisch-leninistische Ideale berief. Nach dem Bürgerkrieg zwang die wirtschaftliche Not zur Neuen Ökonomischen Politik, die privaten Handel und Kleinbetriebe wieder zuließ. 1922 wurde die Sowjetunion gegründet. Nach Lenins Tod 1924 setzte sich Stalin im Machtkampf gegen Rivalen wie Trotzki durch und baute eine Diktatur auf, die die ursprünglichen revolutionären Ansprüche weit hinter sich ließ. International spaltete die Revolution die Arbeiterbewegung in Kommunisten und Sozialdemokraten und prägte das 20. Jahrhundert bis zum Ende des Kalten Krieges.

Fragen zur Wiederholung

Worin unterscheiden sich Februarrevolution und Oktoberrevolution?

Die Februarrevolution 1917 war ein spontaner Aufstand gegen Kriegsmüdigkeit, Hunger und die Zarenherrschaft, der zur Abdankung Nikolaus II. und zur Provisorischen Regierung führte. Die Oktoberrevolution war die gezielte Machtübernahme der Bolschewiki unter Lenin, die die Provisorische Regierung stürzten und die Sowjetmacht errichteten.

Was bedeutete die Doppelherrschaft 1917?

Die Doppelherrschaft bezeichnet das Nebeneinander von Provisorischer Regierung und den Sowjets aus Arbeitern und Soldaten. Beide Seiten beanspruchten Legitimität, kooperierten aber nur unvollständig. Da die Regierung Krieg und Landfrage nicht löste, verlor sie an Rückhalt, während die Bolschewiki in den Sowjets an Einfluss gewannen.

Warum setzte Lenin den Frieden von Brest-Litowsk durch?

Lenin wollte Russland um jeden Preis aus dem Ersten Weltkrieg herauslösen, um das junge Sowjetregime zu sichern. Der Frieden kostete große Gebiete in Westen, stieß aber innenpolitisch auf Widerstand. Er ermöglichte es der Regierung, sich auf den Bürgerkrieg und den Aufbau der Roten Armee zu konzentrieren.