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Das Thema verstehen

Standard-Elektrodenpotenziale beschreiben, mit welcher Spannung eine Elektrode gegenüber der Standard-Wasserstoffelektrode redoxwirksam ist. Sie gelten unter Standardbedingungen: 25 °C, 1 bar Gasdruck und 1 mol/l Konzentration der beteiligten Ionen. Aus den Werten lässt sich die Spannungsreihe aufbauen, die Vorhersagen über Redoxreaktionen erlaubt. Die Differenz zweier Potenziale ergibt die Standardzellspannung eines galvanischen Elements und zeigt, ob eine Reaktion freiwillig abläuft.

Warum eine Bezugselektrode nötig ist
Ein absolutes Elektrodenpotenzial lässt sich nicht messen, denn jede Spannungsmessung erfasst nur eine Differenz zwischen zwei Leitern. Deshalb definiert man die Standard-Wasserstoffelektrode als Bezugspunkt mit dem Potenzial genau 0 V. Sie besteht aus einer von Platin-Schwarz umhüllten Platinelektrode, die in eine Säurelösung mit der Aktivität 1 mol/l eintaucht und von Wasserstoffgas bei 1 bar umspült wird. Alle anderen Standardpotenziale werden durch Messung gegen diese Elektrode bestimmt. In der Praxis nutzt man oft handlichere Bezugselektroden wie die Kalomelelektrode, deren Werte dann auf die Wasserstoffskala umgerechnet werden.

Die Spannungsreihe richtig lesen
Die Spannungsreihe ordnet Redoxpaare nach ihrem Standardpotenzial. Paare mit stark negativem Potenzial wie Li+/Li oder Na+/Na geben Elektronen sehr gern ab und sind starke Reduktionsmittel; ihre Metalle bezeichnet man als unedel. Paare mit positivem Potenzial wie Ag+/Ag oder Au3+/Au nehmen Elektronen gern auf und wirken als Oxidationsmittel. Wichtig ist die Einschränkung: Die Reihenfolge gilt nur unter Standardbedingungen. Konzentration, Temperatur und Komplexbildung verschieben reale Potenziale, was die Nernst-Gleichung beschreibt. Außerdem sagt die Thermodynamik nichts über die Reaktionsgeschwindigkeit aus.

Zellspannung und Freiwilligkeit
Für ein galvanisches Element zieht man das Potenzial der Anode vom Potenzial der Kathode ab. Beim Daniell-Element mit Kupfer und Zink ergibt das 0,34 V − (−0,76 V) = 1,10 V. Eine positive Zellspannung entspricht einer negativen freien Reaktionsenthalpie nach der Beziehung ΔG° = −n·F·E°, die Reaktion läuft also freiwillig ab. Umgekehrt muss man für eine erzwungene Elektrolyse mindestens diese Spannung aufwenden. In der Praxis liegen die Werte oft etwas niedriger, etwa durch Überspannung bei der Gasentwicklung oder durch innere Widerstände der Zelle.

Anwendungen im Alltag und in der Technik
Standardpotenziale erklären viele technische Phänomene. In Batterien bestimmt die Differenz der Elektrodenpotenziale die Nennspannung: Lithium-Ionen-Akkus erreichen hohe Zellspannungen, weil Lithium ein sehr negatives Potenzial hat. Beim Korrosionsschutz nutzt man die Reihenfolge gezielt aus: Eine Opferanode aus Zink wird an einem Stahlschiff oder Rohr angebracht und löst sich bevorzugt auf, während das edlere Eisen geschützt bleibt. Auch die Verdrängungsreaktionen der Chemie, etwa Zink in einer Kupfersalzlösung, folgen direkt aus der Potenzialdifferenz der beteiligten Redoxpaare.

Fragen zur Wiederholung

Warum ist das Standardpotenzial der Wasserstoffelektrode genau 0 V?

Es ist nicht gemessen, sondern definitionsgemäß festgelegt. Da nur Potenzialdifferenzen messbar sind, braucht man einen vereinbarten Bezugspunkt, und dafür wurde die Standard-Wasserstoffelektrode unter Standardbedingungen willkürlich auf 0 V gesetzt. Alle anderen Potenziale beziehen sich auf diese Skala.

Was bedeutet ein negatives Standardpotenzial?

Ein negatives Potenzial zeigt an, dass die reduzierte Form des Paares ein starkes Reduktionsmittel ist, also Elektronen gern abgibt. Das zugehörige Metall gilt als unedel. Je negativer der Wert, desto stärker ist die Oxidationstendenz der reduzierten Form.

Warum gilt die Spannungsreihe nicht immer unverändert?

Die tabellierten Werte setzen Standardbedingungen voraus: 25 °C, 1 bar und 1 mol/l. Weichen Konzentration oder Temperatur ab, verändern sich die Potenziale nach der Nernst-Gleichung. Auch Passivierung, etwa bei Aluminium, kann das reale Verhalten von der Vorhersage abweichen lassen.