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Das Thema verstehen

George Berkeley (1685–1753) vertrat einen subjektiven Idealismus, nach dem nur Geister und ihre Wahrnehmungen existieren. Seine Kernthese lautet esse est percipi: Sein bedeutet wahrgenommen werden. Gegen John Locke argumentierte er, dass abstrakte materielle Substanzen unnötig und widersprüchlich seien, da wir nur Ideen kennen. Gott sichert als ewiger Wahrnehmer die Kontinuität der Dinge, auch wenn kein Mensch sie beobachtet.

Was bedeutet esse est percipi?
Berkeleys Formel esse est percipi besagt, dass das Sein sinnlicher Dinge in ihrem Wahrgenommenwerden besteht. Ein Tisch existiert demnach nur, solange er von einem Geist wahrgenommen wird. Berkeley meint damit nicht bloß menschliche Wahrnehmung: Gott nimmt alle Dinge fortwährend wahr, weshalb der Tisch auch dann bleibt, wenn niemand im Raum ist. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Berkeley so den Vorwurf entkräften wollte, seine Lehre führe zum Solipsismus, also zur Annahme, nur das eigene Bewusstsein existiere. Dinge sind für ihn geordnete Folgen von Ideen, nicht materielle Träger dieser Ideen.

Berkeleys Argument gegen den Materialismus
Berkeley wendet sich gegen Lockes Annahme einer materiellen Substanz, die den Ideen zugrunde liegt. Sein Einwand: Von einer solchen Substanz haben wir keinerlei Wahrnehmung, wir kennen nur Ideen wie Farbe, Form und Härte. Locke hatte primäre Qualitäten wie Ausdehnung objektiv genannt und sekundäre wie Farbe für subjektiv erklärt. Berkeley hält diese Trennung für unhaltbar, denn auch Ausdehnung und Bewegung erscheinen je nach Perspektive verschieden und sind somit Ideen. Eine Materie, die weder wahrnehmbar noch denkbar ist, erklärt er für einen widersprüchlichen Begriff ohne Erklärungswert.

Die Dialoge zwischen Hylas und Philonous
In Three Dialogues between Hylas and Philonous von 1713 legt Berkeley seine Position in Gesprächsform dar. Hylas vertritt den materialistischen Alltagsverstand, Philonous führt Berkeley eigene Überzeugungen vor. Schrittweise zeigt Philonous, dass Hylas die Wärme, die Farben und schließlich die Ausdehnung selbst nicht als objektive Eigenschaften der Materie behaupten kann. Am Ende gesteht Hylas die Abhängigkeit aller sinnlichen Eigenschaften vom wahrnehmenden Geist. Die Dialogform macht das Werk zugänglich und zeigt, dass Berkeley seine Lehre als Verteidigung des Common Sense und der Gotteserkenntnis verstand, nicht als Leugnung der Welt.

Abgrenzung zu Kant und Hume
Berkeley wird oft mit Kants transzendentalem Idealismus verwechselt, doch die Positionen unterscheiden sich grundlegend. Berkeley bestreitet die Existenz von Dingen außerhalb der Wahrnehmung, während Kant davon ausgeht, dass Dinge an sich existieren, nur nicht erkennbar sind. Kant bezeichnete Berkeley deshalb als dogmatischen Idealisten und lehnte dessen Position ab. Hume übernahm Berkeleys Empirismus, zog aber konsequenter skeptische Schlüsse, etwa zur Kausalität, ohne auf Gott als Erklärung zurückzugreifen. Für Prüfungen ist diese Abgrenzung zentral, da die drei Denker häufig im selben Kontext der frühen Neuzeit behandelt werden.

Fragen zur Wiederholung

Warum braucht Berkeley Gott in seinem System?

Gott sichert als ewiger, allgegenwärtiger Wahrnehmer die Kontinuität der Welt. Ohne ihn müssten Dinge verschwinden, sobald kein Mensch sie beobachtet. Die beständige Ordnung der Wahrnehmungen gilt Berkeley zudem als göttliche Sprache, die Gott mit uns spricht.

Was unterscheidet Berkeleys Idealismus von Kants Idealismus?

Berkeley bestreitet, dass es materielle Dinge unabhängig von der Wahrnehmung überhaupt gibt. Kant dagegen nimmt Dinge an sich an, die existieren, aber nicht erkennbar sind. Kants Idealismus ist erkenntnistheoretisch, Berkeleys Position ontologisch radikaler.

Wie begründet Berkeley, dass Materie nicht existiert?

Er argumentiert, dass wir ausschließlich Ideen wahrnehmen können. Eine materielle Substanz, die Träger der Ideen sein soll, ist weder wahrnehmbar noch vorstellbar. Auch Lockes primäre Qualitäten wie Ausdehnung sind für Berkeley nur Ideen und daher ebenso geistabhängig wie Farben.