Markieren-Wiederfangen Methode Mindmap
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Das Thema verstehen
Die Mark-Release-Recapture-Methode dient zur Schätzung der Populationsgröße mobiler Tiere. Eine Stichprobe wird gefangen, markiert und wieder freigelassen; nach angemessener Zeit erfolgt ein zweiter Fang. Aus dem Anteil markierter Tiere in der zweiten Stichprobe lässt sich mit dem Lincoln-Index die Gesamtzahl abschätzen. Die Methode setzt voraus, dass sich die Population zwischen den Fängen nicht wesentlich verändert und die Markierung weder Verhalten noch Überlebenschance beeinflusst.
Ablauf der Methode
Zunächst wird eine Stichprobe der Population gefangen, etwa mit Fallen, Netzen oder Bodensaugern. Jedes Tier erhält eine dauerhafte, aber unauffällige Markierung und wird am Fundort freigelassen. Nach ausreichender Zeit zur Durchmischung folgt ein zweiter Fang an denselben oder vergleichbaren Stellen. Der Forscher zählt, wie viele der gefangenen Tiere bereits markiert sind. Aus dem Verhältnis markierter zu insgesamt gefangenen Tieren im zweiten Fang wird auf die Gesamtgröße der Population geschlossen. Der Zeitraum zwischen den Fängen sollte kurz genug sein, um Geburten, Todesfälle und Wanderungen gering zu halten, aber lang genug für eine gleichmäßige Verteilung der Markierten.
Der Lincoln-Index in der Praxis
Der Lincoln-Index berechnet die geschätzte Populationsgröße als Produkt aus markierten Tieren und zweiter Fangmenge, geteilt durch die Zahl der wiedergefangenen Markierten. Wurden zum Beispiel 40 Tiere markiert, im zweiten Fang 30 gefangen und davon 10 als markiert erkannt, ergibt sich eine Schätzung von 120 Tieren. Wichtig ist, dass es sich um eine Schätzung handelt, deren Genauigkeit mit der Stichprobengröße steigt. Bei sehr kleinen Zahlen markierter oder wiedergefangener Tiere wird das Ergebnis unzuverlässig, weshalb mehrere Wiederholungen empfohlen werden. Erweiterte Verfahren wie die Jolly-Seber-Methode berücksichtigen zusätzlich Geburten, Sterbefälle und Zu- oder Abwanderung bei mehreren Fangzeitpunkten.
Wichtige Annahmen und ihre Grenzen
Die Methode setzt eine geschlossene Population voraus, in der während des Untersuchungszeitraums keine wesentliche Ein- oder Abwanderung stattfindet. Alle Tiere müssen dieselbe Fangwahrscheinlichkeit haben; scheue oder standorttreue Individuen verzerren das Ergebnis. Die Markierung darf das Verhalten, die Überlebenschance oder die Sichtbarkeit für Fressfeinde nicht verändern, sonst werden markierte Tiere häufiger oder seltener wiedergefangen als erwartet. Auch das Abstoßen der Markierung oder Fehlidentifikationen führen zu Fehlschätzungen. In der Praxis lassen sich diese Annahmen nie vollständig erfüllen, daher sollten Ergebnisse stets als Näherungswerte mit Unsicherheit interpretiert werden.
Vergleich mit anderen Erfassungsmethoden
Für sesshafte Organismen wie Pflanzen oder langsam kriechende Tiere eignet sich die Quadratmethode, bei der Organismen in begrenzten Probeflächen direkt gezählt werden. Mobile Tiere entziehen sich solcher Zählungen, weil sie die Fläche verlassen oder sich verstecken; hier liefert das Fang-Markieren-Wiederfangen brauchbare Schätzwerte. Die Wahl der Methode hängt also von der Mobilität der Art, der Größe des Untersuchungsgebiets und den verfügbaren Ressourcen ab. Häufig werden beide Verfahren kombiniert, um ein vollständigeres Bild der Biodiversität eines Lebensraums zu erhalten, etwa bei der Erfassung von Bodenfauna und fliegenden Insekten im selben Biotop.
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Fragen zur Wiederholung
Wie funktioniert die Mark-Release-Recapture-Methode in drei Schritten?
Erstens werden Tiere gefangen und dauerhaft markiert, zweitens werden sie am Fundort freigelassen, damit sie sich in der Population verteilen. Drittens erfolgt nach angemessener Zeit ein zweiter Fang, bei dem der Anteil markierter Tiere gezählt wird. Aus diesem Anteil lässt sich mit dem Lincoln-Index die geschätzte Populationsgröße berechnen.
Warum kann die Markierung das Ergebnis verfälschen?
Wenn die Markierung sichtbar ist, kann sie Fressfeinde anziehen oder Partnerwahl und Verhalten verändern. Sie kann auch die Beweglichkeit beeinträchtigen oder sich lösen, sodass markierte Tiere im zweiten Fang nicht erkannt werden. In beiden Fällen weicht die Fangwahrscheinlichkeit markierter Tiere von der der Unmarkierten ab, und die Schätzung wird systematisch verzerrt.
Wann ist die Quadratmethode der Fang-Markieren-Wiederfangen-Methode vorzuziehen?
Bei sesshaften oder ortsfesten Organismen wie Pflanzen, Moosen oder fest sitzenden Tieren ist die Quadratmethode besser geeignet, weil direkte Zählung in Probeflächen möglich und genauer ist. Für mobile Tiere, die Probeflächen verlassen oder sich verstecken können, liefert dagegen das Fang-Markieren-Wiederfangen realistische Schätzwerte der Populationsgröße.