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Das Thema verstehen
Mikroorganismen sind Lebewesen und biologische Strukturen, die meist nur mit dem Mikroskop sichtbar sind. Zu ihnen zählen Bakterien, Archaeen, Pilze, Protisten und Viren, wobei Viren als Grenzfälle gelten, da sie keinen eigenen Stoffwechsel besitzen. Sie besiedeln nahezu alle Lebensräume der Erde, treiben biogeochemische Kreisläufe an, unterstützen die Verdauung und werden in der Lebensmittelherstellung sowie der Biotechnologie genutzt. Zugleich können manche Arten Infektionskrankheiten verursachen.
Prokaryoten und Eukaryoten
Bakterien und Archaeen sind Prokaryoten: Ihr Erbgut liegt frei als ringförmiges DNA-Molekül im Cytoplasma, und sie besitzen keine membranumhüllten Organellen. Pilze und Protisten dagegen sind Eukaryoten mit echtem Zellkern und Organellen wie Mitochondrien. Diese Unterscheidung erklärt viele funktionale Unterschiede: Prokaryoten können sich meist schneller teilen, während eukaryotische Zellen kompartmentiert sind und spezialisierte Stoffwechselwege ermöglichen. Viren passen in keines der beiden Schema, weil sie keine Zelle sind. In der modernen Systematik bilden Bakterien, Archaeen und Eukaryoten die drei Domänen des Lebens, wobei die Archaeen erst durch molekulare Vergleiche als eigene Gruppe erkannt wurden.
Vermehrung und Wachstum
Bakterien vermehren sich typischerweise durch Zweiteilung, wobei sich unter günstigen Bedingungen die Zellzahl exponentiell erhöht. Ein Bakterium kann in kurzen Intervallen zwei identische Tochterzellen hervorbringen, weshalb Kulturen in Nährmedien rasch wachsen. Pilze wachsen dagegen durch Hyphenlängung und bilden große Myzelnetze; Hefen knospen häufig. Viren vervielfältigen sich nicht durch Zellteilung, sondern lassen Wirtszellen neue Virusteile herstellen und zusammenbauen. Protisten nutzen mitotische Teilung, manche Gruppen auch sexuelle Vorgänge. Das exponentielle Wachstum endet, wenn Nährstoffe knapp werden oder Abfallprodukte sich anhäufen, sodass Bakterienkulturen typische Wachstumsphasen zeigen.
Ökologische und wirtschaftliche Bedeutung
Mikroorganismen sind unverzichtbare Bestandteile der Stoffkreisläufe: Als Destruenten zersetzen sie totes Material, Stickstoffbakterien wandeln Stickstoffverbindungen um, und Cyanobacteria betreiben Photosynthese, obwohl sie keine Chloroplasten besitzen. In der Lebensmittelproduktion liefern Milchsäurebakterien Joghurt, Sauerkraut und Käse, Hefen treiben Brot- und Bierherstellung an. In der Biotechnologie produzieren gentechnisch veränderte Mikroorganismen Insulin und Enzyme. Gleichzeitig erinnern Krankheiten wie Tuberkulose oder Grippe daran, dass ein kleiner Teil der Arten pathogen ist. Die große Mehrheit der Mikroorganismen ist jedoch harmlos oder sogar nützlich für Mensch und Umwelt.
Abwehr und Antibiotika
Das Immunsystem erkennt Krankheitserreger über Oberflächenmerkmale und reagiert mit unspezifischen und spezifischen Abwehrmechanismen, darunter Antikörper und Gedächtniszellen. Impfungen nutzen diese spezifische Abwehr, um Schutz aufzubauen, bevor ein Kontakt mit dem Erreger stattfindet. Antibiotika hemmen gezielt bakterielle Prozesse, etwa die Zellwandsynthese oder die Proteinerzeugung; gegen Viren sind sie wirkungslos, weshalb bei Virusinfekten keine Antibiotika angezeigt sind. Ein wichtiger Qualifikationspunkt ist die Resistenzentwicklung: Sie entsteht durch Selektion, wenn Bakterien mit Resistenzgenen einen Überlebensvorteil haben. Deshalb sind vollständige Einnahme nach ärztlicher Anweisung und sparsamer Einsatz zentrale Prinzipien des Antibiotikamanagements.
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Fragen zur Wiederholung
Warum gelten Viren nur als Grenzfall des Lebens?
Viren besitzen keine Zelle, keinen eigenen Stoffwechsel und können sich nicht selbst vermehren. Sie replizieren nur, indem sie eine Wirtszelle zur Erzeugung neuer Virusteile umprogrammieren. Deshalb behandeln viele Lehrwerke sie als Strukturen zwischen belebter und unbelebter Welt.
Warum helfen Antibiotika nicht bei einer Virusgrippe?
Antibiotika greifen spezifische bakterielle Strukturen oder Stoffwechselprozesse an, zum Beispiel die Zellwand oder die Ribosomen der Bakterien. Viren nutzen dagegen den Stoffwechsel der Wirtszelle und haben keine solchen Angriffspunkte. Bei Virusinfekten sind antivirale Mittel oder supportive Maßnahmen relevant, nicht Antibiotika.
Welche Rolle spielen Mikroorganismen im Stickstoffkreislauf?
Bestimmte Bakterien wandeln Luftstickstoff in pflanzenverfügbare Verbindungen um, andere bauen organische Stickstoffverbindungen zu Ammonium und weiter zu Nitrat ab. Ohne diese Umwandlungen stünden Pflanzen kaum Stickstoffquellen zur Verfügung. Mikroorganismen sind damit unverzichtbare Bindeglieder zwischen Atmosphäre, Boden und Lebewesen.