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Das Thema verstehen

Die Neolithische Revolution bezeichnet den Übergang von Jäger- und Sammlergruppen zu Ackerbau und Viehzucht, der vor etwa 12.000 Jahren im Vorderen Orient begann und sich weltweit zu unterschiedlichen Zeiten vollzog. Sie veränderte Siedlungsweise, Ernährung, Arbeitsteilung und Sozialstrukturen grundlegend und legte die Grundlage für die ersten Städte und Zivilisationen.

Warum der Begriff Revolution?
Der Begriff Neolithische Revolution wurde von dem australischen Archäologen Gordon Childe geprägt. Revolution bedeutet hier nicht einen schnellen Umsturz, sondern einen tiefgreifenden Wandel über Generationen. Der Übergang verlief meist schrittweise: Viele Gruppen kombinierten jahrelang Wildbeutung mit ersten Anbauversuchen, bevor der Ackerbau zur Hauptquelle der Nahrung wurde. Auch kehrten manche Gemeinschaften wieder zur mobilen Lebensweise zurück. Der Wandel verlief zudem nicht überall gleich schnell, weshalb Forschende heute eher von einem langen Prozess als von einem einmaligen Ereignis sprechen.

Der fruchtbare Halbmond als Kernregion
Als fruchtbarer Halbmond bezeichnet man eine Bogenform von der Levante über Mesopotamien bis in das Zagros-Gebirge. Dort wuchsen wilder Emmer und Gerste und lebten zähmbare Tiere wie Ziegen und Schafe. Sesshafte Sammlerkulturen wie die Natufier siedelten dort schon vor dem Ackerbau. Ausgrabungen in Jericho und Çatalhöyük zeigen dichte Dörfer mit Speichern und Lehmhäusern. Wichtig ist: Der Vordere Orient war eine von mehreren Kernregionen, denn Reis wurde unabhängig in China domestiziert und Mais in Mittelamerika.

Folgen für Gesellschaft und Umwelt
Ackerbau ermöglichte Vorräte, und Vorräte konnten besessen, verteilt und verteidigt werden. Daraus entwickelten sich Eigentum, Arbeitsteilung und soziale Unterschiede. Spezialisten wie Töpfer, Schmiede und Priester konnten sich bilden, weil Bauern mehr erzeugten, als sie selbst brauchten. Gleichzeitig hatte der Wandel auch Nachteile: Die Ernährung wurde einseitiger, Seuchen breiteten sich in dichten Siedlungen leichter aus, und Rodungen veränderten die Umwelt. Diese Schattenseiten zeigen, dass die Neolithische Revolution kein reiner Fortschritt war.

Ausbreitung nach Europa
Nach Europa gelangten Ackerbau und Viehzucht auf mehreren Wegen. Über die Balkanregion breitete sich die neolithische Lebensweise ab etwa 7000 vor Christus nach Mitteleuropa aus, wo die Bandkeramik eine der ersten Bauernkulturen war. Über das Mittelmeer erreichten Bauern auch Italien, Südfrankreich und die Iberische Halbinsel. Die Ausbreitung geschah durch Wanderung von Gruppen und durch Übernahme der neuen Techniken durch lokale Jäger- und Sammlergruppen. In Nordeuropa und Teilen Osteuropas hielt die neolithische Lebensweise deutlich später Einzug.

Fragen zur Wiederholung

Was bedeutet der Begriff Neolithische Revolution?

Er bezeichnet den Übergang von der Lebensweise der Jäger und Sammler zu Ackerbau und Viehzucht in der Jungsteinzeit. Der Archäologe Gordon Childe prägte den Begriff, weil dieser Wandel Siedlungsweise, Gesellschaft und Kultur grundlegend veränderte, auch wenn er sich über lange Zeiträume erstreckte.

Wo und wann begann die Neolithische Revolution?

Die frühesten Belege für Ackerbau und Viehzucht stammen aus dem fruchtbaren Halbmond im Vorderen Orient, vor etwa 12.000 Jahren. Wichtig ist, dass der Übergang auch unabhängig in anderen Regionen geschah, etwa in China mit Reis und in Mittelamerika mit Mais.

Welche Folgen hatte die Sesshaftigkeit für die Gesellschaft?

Dauerhafte Siedlungen ermöglichten Vorratshaltung und Eigentum. Da Bauern Überschüsse erzeugten, konnten sich Handwerker, Priester und Herrscher auf andere Tätigkeiten spezialisieren. Es entstanden größere Dörfer, soziale Hierarchien und neue Formen von Religion und Kultur.