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Das Thema verstehen
Die Glorious Revolution von 1688/89 bezeichnet den Sturz des katholischen Königs Jakob II. durch Wilhelm von Oranien und die anschließende Krönung Wilhelms III. und Marias II. Mit der Bill of Rights von 1689 wurden die Befugnisse der Krone beschnitten und die Rolle des Parlaments gestärkt. Das Ereignis prägte die Entwicklung der konstitutionellen Monarchie in England und wirkte weit über die britischen Inseln hinaus.
Warum „glorious“?
Der Name „Glorious Revolution“ stammt aus der zeitgenössischen Whig-Propaganda und betont, dass der Machtwechsel fast ohne Blutvergießen in England selbst verlief. Diese Darstellung ist nur teilweise zutreffend: In Irland kam es zu schweren Kämpfen, darunter die Belagerung von Derry und die Schlacht am Boyne 1690, und in Schottland gab es ebenfalls gewaltsame Auseinandersetzungen. Zudem war die Invasion Wilhelms von Oranien eine militärische Operation mit niederländischen Truppen. Historiker bewerten das Ereignis daher heute differenzierter: als legitimierten Staatsstreich oder Invasion, der in England glimpflich, in Irland und Schottland aber gewaltsam verlief.
Die Bill of Rights und ihre Wirkung
Die Bill of Rights von 1689 ist ein Grundgesetz der englischen Verfassungsentwicklung, das bis heute in Großbritannien gilt. Sie erklärte angebliche königliche Sonderrechte für rechtswidrig: Steuern ohne Parlamentszustimmung, die Aufhebung von Gesetzen durch königlichen Erlass und die Unterhaltung eines stehenden Heeres in Friedenszeiten ohne Parlamentsbeschluss. Außerdem sicherte sie regelmäßige Parlamentstagungen und freie Rede im Parlament zu. Wichtig ist die Einschränkung: Es handelte sich nicht um eine moderne Verfassung mit allgemeinen Bürgerrechten, sondern um ein Abkommen zwischen Krone und Parlamentselite. Breite Bevölkerungsgruppen, etwa Katholiken und viele Nichtbesitzende, blieben von politischen Rechten ausgeschlossen.
John Locke und die Rechtfertigung
John Lockes „Two Treatises of Government“ erschienen 1689, also nach der Revolution, und lieferten ihr eine theoretische Rechtfertigung. Locke argumentierte, dass Herrschaft auf dem Konsens der Regierten beruht und dass ein Herrscher, der das Vertrauen bricht, widerrechtlich abgesetzt werden darf. Diese Widerstandstheorie wurde zum Schlüsseltext des liberalen Verfassungsdenkens und beeinflusste später die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die Aufklärung in Europa. Man sollte aber unterscheiden: Locke schrieb die Abhandlungen nicht als unmittelbaren Revolutionsaufruf, sondern als nachträgliche Begründung, deren Entstehung teilweise in die Zeit vor 1688 zurückreicht.
Chronologische Einordnung
Die Glorious Revolution steht am Ende eines langen Konflikts zwischen Krone und Parlament, der seit dem englischen Bürgerkreich und der Hinrichtung Karls I. 1649 schwelte. Nach der Restauration der Monarchie unter Karl II. 1660 verschärften religiöse und verfassungsrechtliche Spannungen die Lage. Jakob II. versuchte ab 1685, katholische Offiziere zu ernennen und kirchliche Politik durchzusetzen. 1688 luden führende Whigs und Tories Wilhelm von Oranien ein, der mit einer Flotte in England landete. Nach Jakobs Flucht übernahm Wilhelm gemeinsam mit Maria die Herrschaft; 1689 folgten Krönung und Bill of Rights. Die Jakobiten, Anhänger des gestürzten Hauses Stuart, versuchten mehrfach vergeblich eine Rückkehr.
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Fragen zur Wiederholung
Warum wurde Wilhelm von Oranien nach England eingeladen?
Führende Whigs und Tories fürchteten, dass Jakob II. mit seiner katholischen Politik und der Geburt eines katholischen Thronfolgers England dauerhaft in den katholischen Machtbereich zurückführen könnte. Wilhelm, der mit Maria Stuart, Jakobs protestantischer Tochter, verheiratet war, bot sich als protestantische Alternative an. Sein Eingreifen diente auch niederländischen Interessen gegen Ludwig XIV.
Was regelte die Bill of Rights von 1689?
Sie erklärte königliche Prärogativen wie Steuererhebungen ohne Parlamentszustimmung, königliche Suspendierung von Gesetzen und ein stehendes Heer ohne Parlamentsbeschluss für rechtswidrig. Sie garantierte regelmäßige Parlamentstagungen und freie Rede im Parlament und schloss Katholiken sowie Personen, die mit Katholiken verheiratet waren, von der Thronfolge aus.
War die Glorious Revolution wirklich unblutig?
In England selbst verlief der Machtwechsel weitgehend ohne größere Schlachten, weshalb der Name „glorious“ geprägt wurde. In Irland und Schottland kam es jedoch zu schweren Kämpfen, etwa der Schlacht am Boyne 1690 und jakobitischen Aufständen. Historiker sprechen daher eher von einem legitimierten Staatsstreich oder einer Invasion als von einer friedlichen Revolution.