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Der Canzoniere (Rerum vulgarium fragmenta) ist Petrarcas Sammlung von 366 Gedichten, zumeist Sonette und Kanzonen in italienischer Volkssprache. Sie kreist um die Liebe zu Laura, beginnend mit der Begegnung in Avignon, und um die innere Zerrissenheit des Sprechers zwischen irdischer Liebe und religiöser Buße. Die Sammlung prägte das europäische Sonett, insbesondere die spätere Sonettform, und gilt als Schlüsselwerk der italienischen Literatur des 14. Jahrhunderts sowie als Vorbild für Petrarismus in ganz Europa.

Was ist der Canzoniere?
Der Canzoniere, dessen vollständiger Titel Rerum vulgarium fragmenta lautet, ist eine Sammlung von 366 Gedichten, die Petrarca über einen Großteil seines Lebens immer wieder überarbeitete. Anders als eine moderne Anthologie versteht man sie als ein durchkomponiertes Buch: Die Gedichte folgen keiner strengen Chronologie, sondern ergeben ein inneres Gespräch des Sprechers mit sich selbst. Petrarca schrieb bewusst in der italienischen Volkssprache und nicht in Latein, obwohl er als Humanist vor allem lateinische Werke anstrebte. Den Abschluss bildet ein Prosabrief an Giacomo Colonna, der die Sammlung als Bekenntnis rahmt.

Laura und die Rime in vita
Laura ist die zentrale, aber historisch kaum fassbare Figur der Sammlung. Petrarca gibt an, sie erstmals in der Kirche Sainte-Claire in Avignon gesehen zu haben, und datiert die Begegnung auf den 6. April 1327; viele Einzelheiten bleiben jedoch literarische Konstruktion. Die Rime in vita, der erste große Teil des Buches, schildern die unerwiderte Liebe: Laura erscheint als idealisierte Gestalt, zugleich Quelle von Glück und Qual. Typisch ist die Doppelbewegung des Sprechers, der seine Leidenschaft bekennt und sie im selben Atemzug als Sünde und Verstrickung hinterfragt.

Die petrarkistische Sonettform
Das Sonett des Canzoniere wurde zum Modell für ganz Europa. Es umfasst zwei Quartette mit umarmendem Reim (ABBA ABBA) und zwei Terzette mit wechselnden Reimen, etwa CDC DCD. Inhaltlich folgt es oft einer Wendung: In den Quartetten wird ein Erlebnis oder Gefühl entfaltet, in den Terzetten reflektiert, gewendet oder aufgelöst. Diese Struktur übernahmen Dichter wie Ronsard und die Pléiade in Frankreich, Shakespeare in England und später Sonettdichter in Deutschland. Man spricht deshalb vom petrarkistischen Sonett als eigenständiger Form neben dem älteren italienischen Vorbild Dantes.

Themen und literarische Wirkung
Der Canzoniere behandelt die Zerrissenheit des Individuums zwischen irdischer Liebe und religiöser Buße, die Flucht der Zeit, Vergänglichkeit und den Konflikt zwischen Ruhm und Gewissensnot. Stilistisch prägen Antithesen, Oxymora und eine klanglich ausgefeilte Sprache die Gedichte. Nach Lauras Tod, der die Rime in morte eröffnet, wird der Ton dunkler und die religiöse Besinnung stärker. Die Sammlung begründete den europäischen Petrarismus und gilt bis heute als eines der einflussreichsten Werke der italienischen Literatur des 14. Jahrhunderts.

Fragen zur Wiederholung

Warum spricht man vom petrarkistischen Sonett?

Weil die im Canzoniere geübte Sonettform – zwei Quartette mit umarmendem Reim (ABBA ABBA) und zwei Terzette mit wechselnden Reimen – zum Vorbild für Dichter in ganz Europa wurde, etwa für Ronsard in Frankreich und Sonettdichter in England und Deutschland. Die typische Wendung vom Erleben in den Quartetten zur Reflexion in den Terzetten gehört ebenfalls zu diesem Modell.

Wer war Laura im Canzoniere?

Laura ist die von Petrarca besungene, unerreichbare Geliebte. Er datiert die erste Begegnung auf den 6. April 1327 in Avignon, doch über ihre historische Identität ist fast nichts gesichert. In der Dichtung erscheint sie als idealisierte Gestalt, die Schönheit und Tugend verkörpert; nach ihrem Tod eröffnen die Rime in morte eine Phase von Trauer und religiöser Besinnung.

Wie ist der Canzoniere aufgebaut?

Die Sammlung umfasst 366 Gedichte, überwiegend Sonette und Kanzonen in italienischer Volkssprache. Sie gliedert sich in die Rime in vita zu Lebzeiten Lauras und die Rime in morte nach ihrem Tod, abgeschlossen durch einen Prosabrief an Giacomo Colonna. Die Gedichte folgen keiner strengen Chronologie, sondern ergeben als Ganzes eine innere Selbstreflexion des Sprechers.