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Das Thema verstehen

Das Reizleitungssystem des Herzens ist ein spezialisiertes Netzwerk aus Muskelzellen, das elektrische Impulse erzeugt und weiterleitet. Der Sinusknoten dient als natürlicher Taktgeber, der AV-Knoten verzögert die Erregung, damit sich die Vorhöfe zuerst kontrahieren. Über das His-Bündel, die Tawara-Schenkel und Purkinje-Fasern erreicht der Impuls die Kammermuskulatur. Diese geordnete Erregungsausbreitung ermöglicht die koordinierte Pumpfunktion des Herzens und lässt sich im EKG als typische Abfolge von Wellen und Segmenten darstellen.

Vom Sinusknoten zur Kammerkontraktion
Jeder Herzschlag beginnt im Sinusknoten, einem kleinen Gewebeareal im rechten Vorhof, dessen Zellen sich ohne äußeren Befehl selbst depolarisieren. Von dort breitet sich die Erregung über die Vorhofmuskulatur aus und erreicht den AV-Knoten. Dessen bewusste Verzögerung von etwa einem Zehntelsekundenbereich erlaubt es den Vorhöfen, ihr Blut vollständig in die Kammern zu entleeren. Erst danach springt die Erregung über das His-Bündel auf die Tawara-Schenkel und Purkinje-Fasern über, die die Kammern von innen her schnell und synchron erregen. Diese feste Reihenfolge ist die Grundlage einer effizienten Pumpfunktion.

Warum die Verzögerung im AV-Knoten wichtig ist
Ohne die Verzögerung im AV-Knoten würden sich Vorhöfe und Kammern nahezu gleichzeitig kontrahieren, und die Füllung der Kammern wäre deutlich schlechter. Der AV-Knoten leitet Erregungen langsamer weiter als andere Abschnitte des Systems, weil seine Zellen eine andere Membraneigenschaft besitzen. Zusätzlich wirkt er als Filter: Sehr schnelle Vorhoferregungen, etwa bei Vorhofflattern, werden oft nicht vollständig übertragen, sodass die Kammern nicht jede einzelne Welle übernehmen. Diese Schutzfunktion erklärt, warum Patienten trotz Vorhofflimmerns häufig eine noch relativ stabile Kammeraktion behalten.

Rhythmusstörungen und ihre Ursachen
Störungen des Reizleitungssystems lassen sich grob in Bildungs- und Leitungsstörungen einteilen. Bei Bildungsstörungen übernimmt ein anderer Fokus die Taktgeberrolle, etwa ein erregbarer Bezirk in den Vorhöfen, was zu unregelmäßigen Rhythmen führen kann. Bei Leitungsstörungen wie dem AV-Block wird die Erregung verzögert oder ganz unterbrochen, sodass die Kammern langsamer schlagen oder ein Ersatzrhythmus einsetzt. Das EKG zeigt solche Muster typischerweise an veränderten Intervallen oder fehlenden Kopplungen zwischen P-Welle und QRS-Komplex, was die Diagnostik erleichtert.

Diagnostik und Therapie im Überblick
Das Elektrokardiogramm ist das zentrale Werkzeug, um die Erregungsausbreitung sichtbar zu machen: P-Welle, PQ-Intervall, QRS-Komplex und T-Welle entsprechen jeweils bestimmten Phasen der Erregung. Bei ausgeprägten Störungen kann ein Herzschrittmacher fehlende Impulse ersetzen, indem er gezielt elektrische Reize an das Myokard abgibt. Bei bestimmten Rhythmusstörungen mit kreisender Erregung kommt eine Katheterablation infrage, bei der das erkrankte Gewebe gezielt ausgeschaltet wird. Die Wahl des Verfahrens hängt von der Art der Störung und dem Allgemeinzustand des Patienten ab.

Fragen zur Wiederholung

Warum wird der Sinusknoten als natürlicher Taktgeber des Herzens bezeichnet?

Weil seine Zellen die schnellste spontane Depolarisation im gesamten Leitungssystem besitzen. Er gibt damit das Tempo vor, bevor andere erregungsbildende Strukturen wie der AV-Knoten überhaupt aktiv werden können.

Welche Aufgabe hat der AV-Knoten im Erregungsablauf?

Er verzögert die Weiterleitung der Erregung von den Vorhöfen zu den Kammern. Diese Verzögerung ermöglicht die vollständige Kammerfüllung und schützt die Kammern vor zu schnellen Vorhoferregungen.

Wie zeigt sich eine Vorhoferregung im EKG?

Die Vorhoferregung erscheint als P-Welle. Der Abstand zwischen P-Welle und QRS-Komplex, das PQ-Intervall, spiegelt die Verzögerung im AV-Knoten wider und ist ein wichtiger Hinweis auf Leitungsstörungen.