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Das Thema verstehen

Die Totalreflexion tritt auf, wenn Licht von einem optisch dichteren Medium an der Grenzfläche zu einem optisch dünneren Medium reflektiert wird, statt zu brechen. Voraussetzung ist ein Einfallswinkel, der größer als der kritische Winkel ist. Das Phänomen erklärt Funktionsweise von Lichtwellenleitern, Prismenfernrohren und Totalreflektoren und ist eine zentrale Grundlage der modernen optischen Nachrichtentechnik.

Physikalisches Prinzip
Beim Übergang von Licht zwischen Medien mit unterschiedlicher Brechzahl gilt das Snelliussche Brechungsgesetz. Verläuft der Strahl vom optisch dichteren zum optisch dünneren Medium, etwa von Glas zu Luft, wird er vom Lot weg gebrochen. Mit wachsendem Einfallswinkel nähert sich der Brechungswinkel 90 Grad an. Überschreitet der Einfallswinkel den kritischen Winkel, existiert kein reeller Brechungswinkel mehr: Das Licht wird vollständig an der Grenzfläche reflektiert. Wichtig ist die Richtung des Übergangs, denn vom dünneren zum dichteren Medium tritt Totalreflexion nie auf.

Der kritische Winkel
Der kritische Winkel ergibt sich aus sin αc = n2/n1, wobei n1 die Brechzahl des Ausgangsmediums und n2 die des angrenzenden Mediums ist. Für den Übergang von Glas zu Luft liegt er bei etwa 42 Grad, für Wasser zu Luft bei rund 49 Grad. Liegt der Einfallswinkel genau am kritischen Winkel, streift der gebrochene Strahl die Grenzfläche. Darüber hinaus wird der Strahl vollständig reflektiert. Genau unterhalb des kritischen Winkels treten Brechung und Teilreflexion gleichzeitig auf, was in Strahlengang-Skizzen häufig übersehen wird.

Anwendungen im Alltag und in der Technik
Glasfaserkabel nutzen die Totalreflexion, um Lichtsignale über große Entfernungen mit geringen Verlusten zu transportieren: Der Kern hat eine höhere Brechzahl als der Mantel, sodass Strahlen immer wieder an der Grenzfläche reflektiert werden. Prismen in Ferngläsern lenken den Lichtweg um, ohne spiegelnde Flächen zu benötigen. Totalreflektoren an Fahrrädern und Verkehrszeichen werfen einfallendes Licht zur Quelle zurück. Auch Endoskope in der Medizin führen Licht und Bildinformation durch flexible Glasfaserbündel zum Untersuchungsort.

Grenzen des Modells
Die Vorstellung einer vollkommenen Reflexion an der Grenzfläche ist eine Näherung der Strahlenoptik. Wellenoptisch dringt ein elektrisches Feld, die sogenannte evaneszente Welle, geringfügig in das dünnere Medium ein. Bringt man ein zweites Medium sehr nahe an die Grenzfläche, kann Licht diese Barriere überwinden und hindurchtreten; man spricht von frustrierter Totalreflexion. Dieses Prinzip wird unter anderem in der Spektroskopie genutzt. Für schulische Strahlengänge reicht das Strahlenmodell, für präzise Beschreibungen ist die Wellenoptik erforderlich.

Fragen zur Wiederholung

Warum tritt Totalreflexion nur beim Übergang in ein optisch dünneres Medium auf?

Nur dann wird der Strahl vom Lot weg gebrochen, sodass der Brechungswinkel den Einfallswinkel übersteigt und bei wachsendem Einfallswinkel 90 Grad erreichen kann. Erst jenseits dieses Grenzfalls fehlt der gebrochene Strahl, und das Licht wird vollständig reflektiert. Beim Übergang in ein dichteres Medium wird der Strahl zum Lot hin gebrochen, ein Brechungswinkel bleibt immer möglich.

Wie berechnet man den kritischen Winkel?

Aus dem Snelliusschen Gesetz n1·sin α = n2·sin β folgt für den Grenzfall β = 90 Grad die Formel sin αc = n2/n1. Für Glas mit n ≈ 1,5 gegen Luft ergibt sich αc ≈ 42 Grad. Einfallswinkel oberhalb dieses Werts führen zur Totalreflexion, darunter zu Brechung mit Teilreflexion.

Wie funktioniert ein Glasfaserkabel mithilfe der Totalreflexion?

Der Faserkern besitzt eine höhere Brechzahl als die umgebende Mantelschicht. Licht, das flach genug auf die Grenzfläche trifft, überschreitet dort den kritischen Winkel und wird immer wieder totalreflektiert. So wird das Signal entlang der gekrümmten Faser geführt, was Glasfasernetze zu verlustarmen Trägern der Datenübertragung macht.