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Das Thema verstehen

Die Dekolonisation bezeichnet den Prozess, in dem Kolonien Asiens, Afrikas und anderer Regionen nach dem Zweiten Weltkrieg politische Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten erlangten. Sie verlief regional sehr unterschiedlich: teils friedlich durch Verhandlungen, teils durch langjährige Befreiungskriege. Die Karte zeigt zentrale Ursachen wie den Zweiten Weltkrieg und nationale Unabhängigkeitsbewegungen, wichtige Beispiele wie Indien und Algerien sowie Folgen wie die Blockfreiheit und anhaltende wirtschaftliche Abhängigkeiten.

Warum die Dekolonisation nach 1945 beschleunigt wurde
Der Zweite Weltkrieg veränderte die Machtverhältnisse grundlegend. Großbritannien und Frankreich waren finanziell erschöpft und militärisch geschwächt, während die USA und die Sowjetunion als neue Weltmächte auftraten, die Kolonialismus ideologisch ablehnten. Kolonialisierte Völker hatten im Krieg oft für ihre Kolonialmacht gekämpft und forderten nun politische Rechte ein. Die Atlantik-Charta von 1941 hatte bereits das Selbstbestimmungsrecht der Völker betont, und die 1945 gegründete UNO machte Dekolonisation mit dem Treuhandssystem und Resolutionen zu einem internationalen Thema. So trafen geschwächte Kolonialmächte, gestärkte Unabhängigkeitsbewegungen und ein verändertes Weltklima zusammen.

Unterschiedliche Wege in die Unabhängigkeit
Die Dekolonisation verlief keineswegs einheitlich. Indien erlangte 1947 nach jahrzehntelangem zivilem Widerstand und Verhandlungen die Unabhängigkeit, bezahlte dafür aber mit der gewaltsamen Teilung in Indien und Pakistan. Ghana wurde 1957 als erste Kolonie südlich der Sahara unabhängig und inspirierte weitere afrikanische Bewegungen. Algerien dagegen erlebte von 1954 bis 1962 einen äußerst blutigen Befreiungskrieg gegen Frankreich, der erst nach Verhandlungen in Évian endete. Portugiesische Kolonien wie Angola und Mosambik erhielten ihre Unabhängigkeit erst nach der Nelkenrevolution 1974. Diese Beispiele zeigen, dass Verhandlungslösungen und bewaffnete Kämpfe oft nebeneinanderstanden.

Das Jahr Afrika 1960 und seine Bedeutung
Das Jahr 1960 gilt als Wendepunkt der afrikanischen Dekolonisation: In diesem Jahr erlangten siebzehn Staaten, darunter Nigeria, Senegal und die Demokratische Republik Kongo, ihre Unabhängigkeit. Die Rede des britischen Premierministers Harold Macmillan über den Wind des Wandels in Kapstadt zeigte, dass selbst Kolonialmächte den Prozess anerkannten. Der Kongo wurde jedoch schon kurz nach der Unabhängigkeit von der Belgischen Krise erschüttert, in der die Absetzung und Ermordung Patrice Lumumbas die Instabilität verdeutlichte. Das Jahr Afrika demonstriert sowohl die Geschwindigkeit der Entkolonialisierung als auch die strukturellen Probleme, die viele neue Staaten erbten.

Langfristige Folgen und postkoloniale Debatten
Politische Unabhängigkeit bedeutete nicht das Ende kolonialer Strukturen. Viele neue Staaten übernahmen Grenzen, Verwaltungssysteme und Sprachen aus der Kolonialzeit, was ethnische Spannungen begünstigte. Wirtschaftlich blieben Rohstoffexporte und Abhängigkeiten von ehemaligen Mutterländern bestehen, was Kritiker als Neokolonialismus bezeichnen. Die Blockfreie Bewegung, 1961 in Belgrad gegründet, versuchte, zwischen den Blöcken des Kalten Krieges eine eigenständige Position zu finden. Postkoloniale Theorien, etwa von Edward Said und Frantz Fanon, analysieren bis heute, wie koloniale Denk- und Machtstrukturen fortwirken und die Beziehung zwischen dem Globalen Norden und Süden prägen.

Fragen zur Wiederholung

Warum beschleunigte sich die Dekolonisation erst nach dem Zweiten Weltkrieg?

Der Krieg hatte die europäischen Kolonialmächte finanziell und militärisch geschwächt, während die USA und die Sowjetunion als antikoloniale Weltmächte aufstiegen. Zugleich hatten kolonisierte Völker im Krieg mitgekämpft und forderten Selbstbestimmung ein. Die UNO unterstützte die Entkolonialisierung zusätzlich durch Resolutionen und das Treuhandssystem.

Warum gilt das Jahr 1960 als Jahr Afrika?

In diesem Jahr erlangten siebzehn afrikanische Staaten ihre Unabhängigkeit, darunter Nigeria, Senegal und der Kongo. Ghana hatte 1957 als erste Kolonie südlich der Sahara den Weg gewiesen, und 1960 erreichte die Bewegung ihren Höhepunkt. Der Begriff verdeutlicht die Geschwindigkeit, mit der die europäischen Mächte ihre afrikanischen Gebiete aufgaben.

Was unterscheidet die Unabhängigkeit Indiens von der Algeriens?

Indien erlangte 1947 nach langem zivilem Widerstand unter Gandhi und Verhandlungen mit Großbritannien die Unabhängigkeit, verbunden mit der gewaltsamen Teilung in Indien und Pakistan. Algerien dagegen erlitt von 1954 bis 1962 einen blutigen Befreiungskrieg gegen Frankreich, der erst mit den Verhandlungen von Évian endete. Beide Wege zeigen, dass Dekolonisation friedlich oder kriegrisch verlaufen konnte.