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Das Thema verstehen
John Locke (1632–1704) gilt als einer der einflussreichsten Philosophen der britischen Aufklärung. In seiner Erkenntnistheorie vertrat er den Empirismus: Alle Ideen stammen nach seiner Auffassung aus der Erfahrung, das Bewusstsein beginnt als unbeschriebene Tafel. Politisch begründete er Naturrechte auf Leben, Freiheit und Eigentum sowie eine Regierung, die auf Zustimmung der Regierten beruht. Seine Schriften prägten den Liberalismus und die politische Entwicklung Englands und Nordamerikas.
Empirismus gegen angeborene Ideen
Locke wandte sich in seinem Hauptwerk Eine Abhandlung über den menschlichen Verstand (1689) gegen die Lehre angeborener Ideen, wie sie in der Tradition Descartes vertreten wurde. Sein Argument: Wenn es angeborene Grundsätze gäbe, müssten sie bei allen Menschen, auch bei Kindern und Ungebildeten, tatsächlich vorhanden sein. Da dies nicht beobachtbar sei, müsse der Geist anfangs leer sein, gleichsam weißes Papier. Erst die Erfahrung schreibe Inhalte hinein, und zwar auf zwei Wegen: durch Sinneseindrücke von der Außenwelt und durch innere Reflexion über die eigenen Geistestätigkeiten. Diese Unterscheidung von Sensation und Reflexion bildet die Grundlage seiner empirischen Erkenntnistheorie.
Primäre und sekundäre Qualitäten
Zur Erklärung, wie Wahrnehmung entsteht, unterschied Locke zwei Arten von Qualitäten. Primäre Qualitäten wie Ausdehnung, Form, Bewegung und Festigkeit schreibt er den Körpern selbst zu; sie bleiben nach seiner Auffassung unverändert, egal wie wir sie wahrnehmen. Sekundäre Qualitäten wie Farbe, Klang, Geschmack und Geruch dagegen sind keine Eigenschaften der Dinge selbst, sondern Kräfte, in uns Empfindungen hervorzurufen. Der Geschmack von Zucker existiert demnach nicht im Zucker, sondern entsteht erst im Wahrnehmenden. Diese Unterscheidung war später umstritten, etwa bei George Berkeley, zeigt aber Lockes Bestreben, Erkenntnis mechanistisch und erfahrungsbasiert zu erklären.
Naturrecht, Eigentum und Regierung
In den Zwei Abhandlungen über die Regierung (1689) entwickelte Locke eine Gegenposition zum Absolutismus. Menschen besitzen von Natur aus Rechte auf Leben, Freiheit und Eigentum; Eigentum entsteht, wenn jemand seine Arbeit mit Naturgütern verbindet. Weil im Naturzustand niemand unparteiisch Recht sprechen kann, schließen Menschen einen Vertrag und gründen eine politische Gemeinschaft. Die Regierung erhält dadurch begrenzte, treuhänderische Macht und beruht auf der Zustimmung der Regierten. Überschreitet sie ihre Grenzen und greift in Naturrechte ein, verliert sie ihre Legitimität, und das Volk hat ein Recht auf Widerstand. Diese Argumentation rechtfertigte die Glorreiche Revolution von 1688.
Gewaltenteilung und historische Wirkung
Locke unterschied in der zweiten Abhandlung legislative und exekutive Gewalt sowie eine föderative Gewalt für das Verhältnis nach außen. Die Legislative als oberste Gewalt sollte an das Gesetz gebunden sein, die Exekutive sie ausführen. Dieses Modell beeinflusste Montesquieu, der es später zur klassischen Dreiteilung ausbaute. Lockes Gedanken flossen zudem in die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 ein, deren Formulierung unveräußerlicher Rechte deutlich an ihn erinnert. Man sollte jedoch beachten, dass Lockes Eigentumstheorie auch Grenzen hatte: Er bezog sie nicht auf alle Menschen gleichermaßen und ließ etwa Sklaverei in bestimmten Fällen zu, was die Rezeption seiner Lehren historisch differenziert betrachten lässt.
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Fragen zur Wiederholung
Was bedeutet Lockes Bild der Tabula rasa genau?
Locke vergleicht den menschlichen Geist bei der Geburt mit einer unbeschriebenen Tafel, auf der zunächst nichts steht. Erst durch Erfahrung, also Sinneseindrücke und innere Reflexion, entstehen Ideen und Erkenntnisse. Damit wandte er sich gegen die Annahme angeborener Ideen und begründete den britischen Empirismus.
Worin unterscheiden sich primäre und sekundäre Qualitäten bei Locke?
Primäre Qualitäten wie Ausdehnung, Form und Bewegung kommen nach Locke den Dingen selbst zu und sind unabhängig vom Wahrnehmenden. Sekundäre Qualitäten wie Farbe, Klang oder Geschmack entstehen erst durch die Wirkung der Dinge auf unsere Sinne und sind daher Empfindungen im Wahrnehmenden, keine Eigenschaften der Dinge selbst.
Warum gilt Locke als Begründer des klassischen Liberalismus?
Locke begründete in den Zwei Abhandlungen über die Regierung, dass Menschen von Natur aus Rechte auf Leben, Freiheit und Eigentum besitzen und dass legitime Herrschaft auf der Zustimmung der Regierten beruht. Da die Regierung nur treuhänderische, begrenzte Macht hat, leitete er ein Widerstandsrecht bei Machtmissbrauch ab. Diese Prinzipien prägten später die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die liberale Staatstheorie.