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Das Thema verstehen
Immanuel Kant (1724–1804) gilt als zentraler Philosoph der Aufklärung und prägte die deutsche Idealismus-Tradition entscheidend. Seine kritische Philosophie untersucht, welche Erkenntnisse die menschliche Vernunft überhaupt gewinnen kann, und begründet die Pflichtethik mit dem kategorischen Imperativ. Werke wie die Kritik der reinen Vernunft und die Kritik der praktischen Vernunft verbinden Erkenntnistheorie, Moral und Ästhetik zu einem systematischen Gesamtentwurf, der bis heute die Philosophie beeinflusst.
Die kopernikanische Wende
Kant verglich seinen Ansatz mit dem Vorgehen Kopernikus: Statt anzunehmen, dass die Erkenntnis sich nach den Gegenständen richtet, geht er davon aus, dass die Gegenstände sich nach den Erkenntnisbedingungen des Subjekts richten. Raum und Zeit sind demnach Formen der sinnlichen Anschauung, und Kategorien wie Substanz oder Kausalität ordnen die Wahrnehmung, bevor überhaupt Erfahrung entsteht. Damit erklärt Kant, warum Mathematik und Naturwissenschaft gesicherte Erkenntnis liefern können: Sie gelten für die Welt der Erscheinungen. Über die Dinge an sich, wie sie unabhängig von unserer Erkenntnis sind, lässt sich nach Kant kein theoretisches Wissen gewinnen.
Der kategorische Imperativ
Kants Ethik ist eine Pflichtethik: Moralisch richtig handelt, wer aus Pflicht und nicht bloß pflichtmäßig handelt. Der kategorische Imperativ ist ein unbedingtes Sollen, das keine Ausnahmen nach Zweck oder Interesse kennt. In der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785) entwickelt Kant mehrere Formulierungen: Die Universalisierungsformel verlangt, nur nach Maximen zu handeln, die man als allgemeines Gesetz wollen kann; die Zweckformel gebietet, die Menschheit stets auch als Zweck, nie bloß als Mittel zu behandeln. Kritiker wie Schiller und später utilitaristische Denker wandten ein, die Ethik vernachlässige Gefühle und Folgen.
Die drei Kritiken
Kants Hauptwerk gliedert sich in drei Kritiken, die jeweils einen Vernunftbereich prüfen. Die Kritik der reinen Vernunft (1781, zweite Auflage 1787) untersucht die Bedingungen möglicher Erkenntnis. Die Kritik der praktischen Vernunft (1788) begründet die Moral aus der Vernunft selbst und führt zur Idee der Freiheit sowie zum Postulat Gottes und der Unsterblichkeit als Vernunftbedürfnissen. Die Kritik der Urteilskraft (1790) vermittelt zwischen beiden Bereichen und behandelt Ästhetik sowie die Naturteleologie. Zusammen bilden sie ein System, das theoretische und praktische Philosophie verbindet.
Kant und die Aufklärung
In seinem Aufsatz Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? von 1784 definiert Kant Aufklärung als Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit, deren Ursache nicht Mangel an Verstand, sondern Mangel an Mut ist. Sein Wahlspruch lautet sinngemäß: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. In der Rechts- und Staatsphilosophie, etwa in der Metaphysik der Sitten und der Schrift Zum ewigen Frieden von 1795, plädiert Kant für Rechtstaatlichkeit, republikanische Verfassungen und einen freien Völkerbund, um Kriege dauerhaft zu verhindern.
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Fragen zur Wiederholung
Was bedeutet die kopernikanische Wende bei Kant?
Kant dreht das Erkenntnisverhältnis um: Nicht die Erkenntnis richtet sich nach den Gegenständen, sondern die Gegenstände der Erfahrung richten sich nach den Erkenntnisformen des Subjekts, nämlich den Anschauungsformen Raum und Zeit sowie den Kategorien des Verstandes. Dadurch werden Erfahrung und Wissenschaft erklärbar, während über Dinge an sich kein theoretisches Wissen möglich ist.
Worin unterscheiden sich kategorischer und hypothetischer Imperativ?
Der hypothetische Imperativ gebietet bedingt: Wenn man ein bestimmtes Ziel verfolgt, soll man bestimmte Mittel einsetzen. Der kategorische Imperativ gilt dagegen unbedingt und ohne Rücksicht auf Neigungen oder Zwecke; er verlangt, nur nach Maximen zu handeln, die als allgemeines Gesetz gelten könnten, und Menschen stets auch als Zweck zu behandeln.
Warum gilt Kant als Aufklärer?
Kant versteht Aufklärung als Ausgang des Menschen aus selbstverschuldeter Unmündigkeit durch eigenen Gebrauch der Vernunft. Er fordert geistige Selbstständigkeit und öffentliche Vernunftkritik, verbindet dies aber mit der Aufforderung zu gesetzmäßigem, friedlichem Zusammenleben, etwa durch seine Ideen zu republikanischen Verfassungen und zum ewigen Frieden zwischen Staaten.