moralische Entwicklung Kohlberg Mindmap
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Das Thema verstehen
Die Mindmap erklärt Lawrence Kohlbergs stufenmodell der moralischen Entwicklung, das auf Jean Piagets Arbeiten aufbaut. Es unterscheidet drei Ebenen mit je zwei Stufen: präkonventionell, konventionell und postkonventionell. Anhand des Heinz-Dilemmas wird gezeigt, wie Menschen moralische Urteile begründen und wie sich diese Begründungen im Laufe der Entwicklung verändern. Kritikpunkte wie kulturelle Verzerrung und Geschlechterperspektive nach Carol Gilligan werden ebenfalls einbezogen.
Aufbau der Stufenpyramide
Kohlberg unterscheidet drei Niveaus mit je zwei Stufen. Auf dem präkonventionellen Niveau richten sich Urteile nach Strafvermeidung und eigenem Vorteil. Auf dem konventionellen Niveau zählen soziale Erwartungen und die Aufrechterhaltung von Gesetzen und Ordnung. Das postkonventionelle Niveau fragt nach dem sozialen Vertrag und universellen Prinzipien wie Menschenwürde. Wichtig ist, dass die Stufen eine feste Abfolge bilden: Niemand überspringt eine Stufe, und wer eine höhere Stufe erreicht hat, fällt nach Kohlberg nicht wieder zurück. Die meisten Erwachsenen erreichen laut den Studien nur das konventionelle Niveau.
Das Heinz-Dilemma als Erhebungsinstrument
Im Heinz-Dilemma muss ein Mann entscheiden, ob er ein zu teures Medikament für seine kranke Frau stehlen soll. Entscheidend ist für Kohlberg nicht, ob jemand Ja oder Nein antwortet, sondern wie die Antwort begründet wird. Wer sagt, Heinz dürfe nicht stehlen, weil er ins Gefängnis käme, urteilt auf Stufe 1. Wer argumentiert, ein Leben sei auch gegen ein Gesetz höher zu bewerten als Eigentum, urteilt postkonventionell. Das Dilemma wurde in Interviews vorgelegt und die Begründungen anschließend einer Stufe zugeordnet.
Kritik von Carol Gilligan und kulturelle Einwände
Carol Gilligan, eine ehemalige Mitarbeiterin Kohlbergs, kritisierte, dass die ursprüngliche Stichprobe nur aus Jungen und Männern bestand. Sie entwickelte eine Ethik der Fürsorge, die Beziehungen und Verantwortung betont, während Kohlberg vor allem Gerechtigkeit abstrakt gewichtet. Weitere Kritik betrifft die kulturelle Verzerrung: Kollektivistisch geprägte Gesellschaften bewerten Pflichten gegenüber der Gemeinschaft anders als westliche Individualität. Zudem zeigen Studien, dass Menschen je nach Situation auf unterschiedlichen Stufen argumentieren, was die Vorstellung einer einheitlichen Stufe relativiert.
Bedeutung für Schule und Erziehung
Kohlbergs Modell wurde in der Pädagogik praktisch umgesetzt, vor allem durch Dilemma-Diskussionen nach dem Konzept der Just Community. Schülerinnen und Schüler diskutieren moralische Konflikte und werden dabei mit Begründungen konfrontiert, die eine Stufe über ihrem eigenen Urteil liegen. Diese Konfrontation soll nach Kohlberg die Entwicklung anregen, weil sie die eigene Argumentation als unzureichend erlebbar macht. Wichtig bleibt die Einschränkung, dass moralisches Urteilen und tatsächliches Handeln auseinanderfallen können: Wer hoch argumentiert, handelt nicht automatisch entsprechend.
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Fragen zur Wiederholung
Was unterscheidet Kohlbergs Stufe 4 von Stufe 5?
Auf Stufe 4 gilt das Gesetz als unveränderlich und muss befolgt werden, um Ordnung und Pflichterfüllung zu sichern. Auf Stufe 5 werden Gesetze als veränderbarer sozialer Vertrag verstanden, der dem Wohl der Gemeinschaft dienen muss. Ein Gesetz kann auf Stufe 5 also kritisiert und geändert werden, wenn es grundlegende Rechte verletzt.
Warum ist die Entscheidung im Heinz-Dilemma nicht entscheidend?
Kohlberg interessierte sich nicht dafür, ob Heinz stehlen soll, sondern für die Begründung des Urteils. Dieselbe Entscheidung kann auf unterschiedlichen Stufen begründet werden, etwa aus Angst vor Strafe oder weil ein Leben höher wiegt als Eigentum. Die Struktur des Denkens verrät die Entwicklungsstufe, nicht die Antwort selbst.
Welche Kritik formulierte Carol Gilligan am Modell Kohlbergs?
Gilligan kritisierte, dass Kohlbergs Forschung nur auf männlichen Probanden beruhte und eine Ethik der Gerechtigkeit bevorzugte. Sie argumentierte, dass Fürsorge, Beziehungen und Verantwortung in moralischen Urteilen gleichwertig berücksichtigt werden müssen. Ihre Ethik der Fürsorge ergänzt das Modell, ersetzt es aber nicht, und beide Ansätze werden bis heute diskutiert.