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Nahrungsnetze beschreiben die vielfältigen Verflechtungen von Nahrungsketten innerhalb eines Ökosystems. Sie zeigen, wie Energie von Produzenten über Konsumenten verschiedener Ordnungen bis zu den Zersetzern fließt und wie sich Störungen, etwa das Aussterben einer Art, auf das gesamte Gefüge auswirken können. Im Gegensatz zur linearen Nahrungskette bilden Nahrungsnetze die reale Komplexität ab, da die meisten Organismen mehrere Nahrungsquellen nutzen und selbst von mehreren Fressfeinden bedroht werden.

Nahrungskette versus Nahrungsnetz
Eine Nahrungskette ordnet Organismen streng linear an, etwa Gras, Heuschrecke, Frosch, Storch. In der Natur ernährt sich kaum eine Art ausschließlich von einer einzigen Beute, und fast jedes Tier hat mehrere Fressfeinde. Das Nahrungsnetz verbindet daher viele Ketten miteinander und bildet die tatsächlichen Fressbeziehungen ab. Diese Vernetzung wirkt als Puffer: Fällt eine Nahrungsquelle aus, können Generalisten auf andere ausweichen. Spezialisten dagegen reagieren empfindlich, weil ihr Bestand eng an eine Beuteart gekoppelt ist. Für Klausuren ist wichtig, dass Pfeile in Nahrungsnetzen stets vom Gefressenen zum Fressenden zeigen und damit die Fließrichtung der Energie angeben.

Energieverluste und ökologische Pyramiden
Bei jedem Übergang zwischen Trophieebenen geht ein Großteil der aufgenommenen Energie verloren, vor allem durch Atmung als Wärme, aber auch durch unverdauliche Anteile und Ausscheidungen. Als Faustregel werden oft etwa zehn Prozent der Energie an die nächste Ebene weitergegeben, wobei der Wert je nach Ökosystem und Organismengruppe deutlich schwankt. Dadurch erklärt sich, warum Nahrungsnetze selten mehr als vier bis fünf Ebenen haben und warum Räuber an der Spitze immer seltener sind. Ökologische Pyramiden stellen diese Abnahme dar, entweder als Biomasse, als Individuenzahl oder als Energie pro Zeiteinheit, wobei die Energiepyramide die aussagekräftigste ist.

Zersetzer als oft übersehene Ebene
Nahrungsnetze enden nicht beim Räuber an der Spitze. Zersetzer wie Bakterien, Pilze und Bodentiere bauen abgestorbene Biomasse und Ausscheidungen ab und geben dabei Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor an den Boden zurück. Erst dadurch stehen diese Elemente den Produzenten wieder zur Verfügung, und der Stoffkreislauf schließt sich. Ohne Zersetzer würden Nährstoffe im toten Material gebunden bleiben und die Produktion würde zusammenbrechen. In vielen Lehrbüchern werden Destruenten als eigene, vom Weidegang getrennte Nahrungskette dargestellt, die sogenannte Detrituskette, die in Wäldern oft mehr Energie umsetzt als die Weidekette.

Störungen und menschliche Einflüsse
Weil Nahrungsnetze verflochten sind, wirken sich Eingriffe oft unerwartet weit aus. Entfernt man eine Schlüsselart, können ganze Gefüge kippen, wie Beobachtungen zur Rückkehr von Wölfen in Yellowstone zeigen, wo sich Vegetation und Flussläufe veränderten. Auch Schadstoffe können sich über mehrere Ebenen anreichern, weil fettlösliche Stoffe wie früheres DDT in Räubern konzentriert werden, ein Vorgang, der als Bioakkumulation oder Biomagnifikation bezeichnet wird. Überfischung, Pestizideinsatz und Lebensraumzerstörung verändern Netze ebenfalls. Wichtig ist die Unterscheidung: Kausalzusammenhänge lassen sich nicht aus einzelnen Beobachtungen allein beweisen, sondern erfordern sorgfältige Untersuchungen.

Fragen zur Wiederholung

Warum haben Nahrungsnetze meist nur vier bis fünf Trophieebenen?

Bei jedem Fressvorgang geht ein großer Teil der Energie verloren, vor allem durch Atmung als Wärme sowie durch unverdauliche Bestandteile. Nach wenigen Ebenen reicht die verbleibende Energie nicht mehr aus, um eine ausreichend große Räuberpopulation zu ernähren. Deshalb sind Spitzenprädatoren wie Habicht oder Orca stets selten.

Worin unterscheiden sich Nahrungskette und Nahrungsnetz?

Die Nahrungskette ist eine lineare Abfolge von Fressbeziehungen, das Nahrungsnetz verknüpft viele solcher Ketten, weil die meisten Arten mehrere Beuten haben und mehrere Fressfeinde. Das Netz bildet die reale Komplexität ab und erklärt, warum Ökosysteme mit vielen Verbindungen Störungen meist besser abfedern können.

Welche Rolle spielen Zersetzer im Nahrungsnetz?

Zersetzer wie Bakterien, Pilze und Detritivoren bauen totes Material und Ausscheidungen ab und geben Nährstoffe an den Boden zurück. Damit liefern sie Produzenten die Grundlage für neues Wachstum und schließen den Stoffkreislauf. Sie werden oft als eigene Detrituskette dargestellt, die besonders in Wäldern eine große Rolle spielt.