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Das Thema verstehen
Das Immunsystem ist das Abwehrnetzwerk des Körpers gegen Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Pilze sowie gegen entartete Zellen. Es umfasst mechanische Barrieren wie Haut und Schleimhäute, die schnelle angeborene Abwehr mit Fresszellen und Entzündungsreaktionen sowie die erworbene Abwehr mit T- und B-Lymphozyten, die gezielt Antigene erkennen und ein immunologisches Gedächtnis aufbauen. Autoimmunerkrankungen, Allergien und Immundefekte zeigen, wie fein das Gleichgewicht zwischen Abwehr und Selbstverträglichkeit reguliert werden muss.
Angeborene versus erworbene Abwehr
Die angeborene Abwehr reagiert innerhalb von Minuten bis Stunden und erkennt allgemeine Erregermerkmale über Mustererkennungsrezeptoren. Sie umfasst Barrieren, Fresszellen, natürliche Killerzellen und das Komplementsystem. Die erworbene Abwehr braucht beim ersten Kontakt mit einem Erreger mehrere Tage, ist dafür aber hochspezifisch. Sie unterscheidet Millionen verschiedener Antigene und bildet nach der Abwehr Gedächtniszellen, die bei erneuter Infektion viel schneller reagieren. Beide Systeme arbeiten eng zusammen: Fresszellen präsentieren Antigene den T-Lymphozyten und leiten damit die spezifische Antwort ein. Die Unterteilung ist didaktisch hilfreich, in der Realität verzahnen beide Zweige ständig miteinander.
Ablauf einer Infektionsabwehr
Zuerst hindern mechanische und chemische Barrieren wie Haut, Schleimhäute, Magensäure und Enzyme die meisten Erreger am Eindringen. Gelangt ein Erreger dennoch ins Gewebe, erkennen Fresszellen ihn über Oberflächenmuster und nehmen ihn auf. Dabei schütten sie Botenstoffe aus, die eine Entzündung auslösen und weitere Immunzellen anlocken. Manche Fresszellen wandern in Lymphknoten und präsentieren dort Antigene den T-Helferzellen. Diese aktivieren B-Zellen, die zu Plasmazellen reifen und Antikörper produzieren. T-Killerzellen zerstören zusätzlich infizierte Körperzellen. Nach der Abwehr bleiben Gedächtniszellen zurück, die bei einer erneuten Infektion eine schnelle und starke Reaktion ermöglichen.
Warum Impfungen wirken
Impfungen nutzen das Prinzip des immunologischen Gedächtnisses, ohne dass die Krankheit selbst durchlaufen werden muss. Totimpfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder Bestandteile davon, Lebendimpfstoffe abgeschwächte Erreger, die sich kaum noch vermehren. Neuere Verfahren wie mRNA-Impfstoffe geben Zellen nur die Bauanleitung für ein einzelnes Erregerprotein, etwa das Spike-Protein von SARS-CoV-2. In allen Fällen baut das Immunsystem Gedächtniszellen und Antikörper auf. Bei einem späteren echten Kontakt reagiert die Abwehr so schnell, dass der Erreger sich kaum ausbreiten kann. Der Schutz ist je nach Impfstoff und Erreger unterschiedlich stark und kann Auffrischungen erfordern.
Wenn die Abwehr fehlgeht
Das Immunsystem muss zwischen fremd und eigen unterscheiden, was nicht immer fehlerfrei gelingt. Bei Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder Multipler Sklerose richtet sich die Abwehr gegen körpereigenes Gewebe. Allergien sind Überreaktionen auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen oder Nahrungsmittelbestandteile, wobei vor allem IgE-Antikörper beteiligt sind. Immundefekte schwächen die Abwehr: HIV zerstört T-Helferzellen und macht den Körper anfällig für sonst harmlose Infektionen. Auch eine überschießende Reaktion kann gefährlich sein, etwa ein Zytokinsturm bei schweren Infektionen. Diese Beispiele zeigen, dass Stärke der Abwehr nicht gleichbedeutend mit Gesundheit ist.
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Fragen zur Wiederholung
Was ist der Unterschied zwischen Antigen und Antikörper?
Ein Antigen ist ein Merkmal auf der Oberfläche eines Erregers oder Fremdstoffs, das vom Immunsystem als fremd erkannt wird. Ein Antikörper ist ein von B-Lymphozyten gebildetes Protein, das spezifisch an ein bestimmtes Antigen bindet und den Erreger so markiert oder unschädlich macht. Man kann sich das wie Schlüssel und Schloss vorstellen: Jeder Antikörper passt zu einem bestimmten Antigen.
Warum wird man von manchen Krankheiten nur einmal krank?
Bei vielen Infektionen wie Masern bildet das Immunsystem nach der Erkrankung langlebige Gedächtniszellen und Antikörper. Bei einem erneuten Kontakt mit demselben Erreger reagiert die Abwehr so schnell und stark, dass die Krankheit nicht erneut ausbricht. Das gilt nicht für alle Erreger gleichermaßen: Viren wie Influenza verändern ihre Oberflächenantigene häufig, sodass das Gedächtnis des Immunsystems weniger gut passt.
Welche Aufgabe haben T-Helferzellen im Immunsystem?
T-Helferzellen koordinieren die erworbene Abwehr. Sie erkennen vom Fresszellen präsentierte Antigene und aktivieren dann B-Lymphozyten zur Antikörperproduktion sowie T-Killerzellen zur Vernichtung infizierter Zellen. Sie steuern außerdem die Reaktion über Botenstoffe, die Zytokine. Weil sie eine zentrale Schaltstelle bilden, ist ihre Zerstörung durch HIV so schwerwiegend: Ohne T-Helferzellen kann die spezifische Abwehr kaum noch funktionieren.